Z Ypsilon X
Peter Waterhouse
Der monumentale Dreiteiler Z Ypsilon X von Peter Waterhouse setzt sich eindringlich mit seiner Familiengeschichte auseinander, insbesondere mit dem Leben seines Großvaters Edgar Alker, über den im familiären Umfeld lange geschwiegen wurde. Alker war überzeugter Nationalsozialist und als Hauptschriftleiter maßgeblich an der österreichischen NS-Propaganda beteiligt. 1944 fiel er an der Ostfront.
Im Mittelpunkt des Werks steht die Entdeckung und sorgfältige Untersuchung von Alkers Bibliothek. Waterhouse interpretiert Anstreichungen und Notizen seines Großvaters in den erhaltenen Büchern und stellt dessen literarische Vorlieben – von Dickens über Altenberg, Kraus und Trakl bis Shakespeare – seinem späteren NS-ideologischen Handeln gegenüber. Diese akribische Lektüre lässt die Frage aufkommen, inwieweit ein Durchschnittsmensch wie Edgar Alker durch die von ihm konsumierte Literatur für eine Haltung gegen völkische Parolen und gegen Judenhass hätte sensibilisiert werden können.
Waterhouses Text zielt nicht auf Urteile, sondern auf das Erkunden der Bücher seines Großvaters und ihre fortwährende Einbettung in neue Zusammenhänge. Detaillierte Analysen literarischer Klassiker zeigen, wie sich selbst in scheinbar neutralen Texten Ideologie in sprachlichen Nuancen niederschlägt, während zugleich Potenziale der Friedfertigkeit aus der Fülle poetischer Stoffe freigelegt werden.
Z Ypsilon X wird so zu einem Experimentierfeld, das sich in offener, fragender Haltung den Zwischenräumen der Sprache zuwendet und deren potenzielle Unabschließbarkeit jenseits bloßer Zeichenhaftigkeit reflektiert. Zugleich spürt der Text den Ursprüngen von Gewalt – insbesondere der sprachlichen – nach und erprobt Sprachformen, die sich dem wehrhaften Sprechen entziehen.
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