Frieden durch militärische Stärke
Das lateinische Sprichwort »Si vis pacem, para bellum« – »Willst du Frieden, bereite den Krieg vor« – spiegelt die Vorstellung wider, dass der Frieden nur durch militärische Stärke gesichert werden kann, indem potenzielle Gegner von einem Angriff abgeschreckt werden. Dieser Doktrin zufolge sind schwache Staaten gefährdet, weil sie sich nicht wirksam verteidigen können. Folglich gelten Investitionen in militärische Fähigkeiten und der Aufbau militärischer Allianzen gegen gemeinsame Feinde als wesentliche Voraussetzung für die Friedenssicherung. Kritiker argumentieren, dass dieser Ansatz nur schwer mit den Prinzipien des Multilateralismus vereinbar ist und in ein Wettrüsten sowie eine Politik des Rechts des Stärkeren münden kann.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Atombombe zum zentralen Element militärischer Abschreckung. Der Besitz nuklearer Waffen sollte feindliche Angriffe verhindern, da sie sonst mit einem nuklearen Gegenschlag rechnen mussten. Die Vereinigten Staaten waren die erste Nation, die über Atomwaffen verfügte, und bis heute das einzige Land, die sie im Krieg eingesetzt hat. Im August 1945 warfen sie Bomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki ab, wobei zwischen 150.000 und 246.000 Menschen ums Leben kamen. Vier Jahre später gelang es auch der Sowjetunion, eigene Atomwaffen zu entwickeln. Die Welt teilte sich daraufhin in zwei Blöcke, die von schwer bewaffneten Nuklearmächten dominiert wurden. Angesichts der Gefahr einer gegenseitigen Vernichtung griff keine der beiden Supermächte die andere direkt an. Diese Epoche ging als Kalter Krieg in die Geschichte ein. Doch die Abschreckung funktionierte nur, solange keine Seite einen zahlenmäßigen oder technologischen Vorteil erlangte. Dies führte zu einem Wettrüsten zwischen den Atommächten, die in ihren europäischen Partnerstaaten Abfang- und Abschusssysteme errichteten.
Luxemburg gab nach der zweiten deutschen Invasion im Mai 1940 seine Politik der unbewaffneten Neutralität auf und schloss sich den Alliierten an. Zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen führte das Land 1944 die Wehrpflicht für Männer ein, und beteiligte sich von 1945 bis 1955 an der militärischen Besatzung Deutschlands. Seit 1967 ist der Militärdienst in Luxemburg freiwillig, seit 2003 steht der Dienst in den Luxemburger Streitkräften auch Staatsangehörigen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union offen. Die ursprünglich geplante Stationierung amerikanischer Atomwaffen in Luxemburg wurde nicht umgesetzt. Diese wurden schließlich auf der anderen Seite der Grenze stationiert – in Büchel (Deutschland) und Kleine-Brogel (Belgien).
Eine starke Allianz
1949 schlossen sich zwölf Länder in Washington zusammen, um die Nordatlantische Vertragsorganisation NATO zu gründen. Diese militärische Allianz sollte eine kollektive Verteidigung gegen die als Bedrohung wahrgenommene Sowjetunion gewährleisten, die damals als größte Gefahr für Westeuropa und die Vereinigten Staaten galt. Als Reaktion bildeten die Staaten des Ostblocks 1955 ein Gegenbündnis: den Warschauer Pakt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion löste sich der Warschauer Pakt auf, während die NATO bestehen blieb und ihr Tätigkeitsfeld auf die Bekämpfung des Terrorismus und die Koordinierung humanitärer Missionen erweiterte. Sie ist das älteste noch bestehende Sicherheitsbündnis der Welt und gewinnt ständig neue Mitglieder. 1994 rief die NATO ihr Programm Partnerschaft für den Frieden) ein, um die bilaterale Zusammenarbeit mit Nichtmitgliedstaaten zu stärken.
Die Stärke der NATO beruht auf Artikel 5 ihres Gründungsvertrages, durch den sich alle Unterzeichner verpflichten, einem angegriffenen Bündnispartner militärischen Beistand zu leisten. Bisher wurde Artikel 5 nur ein einziges Mal angewendet – nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA. In der Folge wurde die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) geschaffen und nach Afghanistan entsandt. Seit der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump und der russischen Invasion in der Ukraine 2022 befindet sich die Allianz zugleich in einer Phase der Verunsicherung und der Erneuerung: Während die USA ihre Mitgliedschaft in der NATO offen infrage gestellt haben, haben sich die übrigen Mitglieder verpflichtet, ihre Verteidigungsausgaben beträchtlich zu erhöhen.
Luxemburg gehört zu den zwölf Gründungsmitgliedern, die 1949 den Nordatlantikvertrag unterzeichneten. Obwohl das Land wegen seines vergleichsweise geringen finanziellen Beitrags oft als Trittbrettfahrer kritisiert wird, beteiligt es sich aktiv an den Bemühungen der NATO. 1961 eröffnete die logistische Dienstleistungsorganisation NATO Maintenance and Supply Agency (NAMSA), die2012 in NATO Support and Procurement Agency (NSPA) umbenannt wurde, ihren Sitz in Capellen, wo sie sich noch heute befindet. Luxemburg nahm zudem an verschiedenen NATO-Missionen teil, insbesondere in Afghanistan, wohin es Militärpersonal entsandte, und logistische Unterstützung leistete. Beim Abzug der NATO aus Afghanistan im Jahr 2021 beteiligte sich die Luxemburger Armee mit ihren A400M-Flugzeugen an den Evakuierungsmaßnahmen. 2018 brachte Luxemburg seinen Militärsatelliten GovSat-1 in Betrieb, der von NATO- und EU-Partnern genutzt wird und Europa, Afrika sowie den Nahen Osten abdeckt. Im Januar 2026 gab die Regierung grünes Licht für den Start ihres zweiten Satelliten, GovSat-2.
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