Friedenserziehung
»Si vis pacem, nosce bellum« (»Willst du Frieden, erkenne den Krieg«) – diese Umkehrung des berühmten lateinischen Sprichworts «Si vis pacem, para bellum« (»Willst du Frieden, bereite den Krieg vor«) durch den Luxemburger Philosophen Marcel Reding betont die zentrale Bedeutung von Bildung für die tatsächliche Verwirklichung des Friedens. Reding ergänzt dies mit einem zweiten Leitsatz: »Si vis pacem, nosce pacem« (»Willst du Frieden, erkenne den Frieden«).
Spätestens seit der Zwischenkriegszeit wurden im Großherzogtum Vorschläge zur Förderung der Friedensbildung vorgebracht. So schlug die Lehrerin und Politikerin Catherine Schleimer-Kill auf dem Internationalen Demokratischen Friedenskongress 1925 in Luxemburg vor, den Geschichtsunterricht an Schulen komplett abzuschaffen, da dieser ihrer Meinung nach nationalistische und chauvinistische Gefühle schüre, welche zahlreiche Kriege verursacht hätten.
Die am weitesten verbreitete Idee unter Friedensaktivisten besteht darin, Schule und Lehrpläne in den Dienst des Friedens zu stellen, indem pazifistische Ideale wie Toleranz, Dialogbereitschaft, Zusammenarbeit und Mediation durch Fächer wie Geschichte, Geographie, Religion, Ethik und Literatur vermittelt werden. In diesem Sinne begann Luxemburg bereits nach dem Ersten Weltkrieg mit der Überarbeitung seiner Schulbücher.
Multilaterale Organisationen wie die Internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit (Commission internationale de coopération intellectuelle CICI) und das Internationale Institut für geistige Zusammenarbeit (Institut international de coopération intellectuelle IICI) setzten sich bereits in der Zwischenkriegszeit für Frieden durch Kultur, Bildung und Wissen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden CICI und IICI durch die UNESCO ersetzt, die UN-Organisation, die Frieden durch Bildung, Wissenschaft und Kultur fördert, und der Luxemburg bereits bei ihrer Gründung beitrat.
Grenzüberschreitende Initiativen beschränkten sich nicht auf multilaterale Institutionen. Die Weltvereinigung für dieSchule als Instrument des Friedens (Association mondiale pour l’école instrument de paix, EIP) brachten Lehrer, Pädagogen und Intellektuelle aus aller Welt zusammen, um die Friedensbildung zu fördern. Auch auf nationaler Ebene entstanden in der Nachkriegszeit in Luxemburg Projekte, darunter verschiedene Kampagnen gegen Kriegsspielzeug.
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