Die Wiedereinführung der Sanduhr

Michael Krüger

Nicht-luxemburgisch

Michael Krügers neuer Gedichtband, der in den letzten fünf Jahren entstanden ist, speist sich vor allem aus drei Lebenserfahrungen: aus der ländlichen Abgeschiedenheit, aus dem Verlust engster Freunde und aus den erschütternden Eindrücken des Krieges. Das lyrische Ich, das sich weitgehend mit dem Autor identifizieren lässt, beobachtet seine Umwelt aufmerksam und versucht, sich der Natur und ihren Rhythmen anzunähern.

Im Mittelpunkt vieler der im Band versammelten Gedichte stehen Landschaften, Pflanzen, Tiere und Jahreszeiten. Die Natur wird bei Krüger nicht romantisiert, sondern in ihrer Schönheit, Fremdheit und Verletzlichkeit dargestellt. Durch seine genauen Beobachtungen und eine bildreiche Sprache macht der Autor auch unscheinbare Dinge bedeutsam.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Zyklus „Zwölf Gedichte“, in dem sich Krüger mit Krieg, Gewalt und menschlicher Zerstörungsbereitschaft auseinandersetzt. Die Texte entstanden vor und nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und sind von Entsetzen, Zweifel und Hilflosigkeit geprägt. Sie stellen Fragen nach dem Sinn bzw. Unsinn von Gewalt und geben der Sehnsucht nach Frieden Ausdruck.

Neben Natur- und Kriegserfahrungen greifen die Gedichte auch literarische und kulturelle Traditionen auf. Michael Krüger spannt weite Bögen und verbindet seine persönlichen Beobachtungen mit Bezügen zu Autoren wie Homer, Giacomo Leopardi und Samuel Beckett sowie zu biblischen Propheten und Psalmen.

Die Gedichte des Bandes laden dazu ein, die Welt aufmerksam wahrzunehmen, sich als Teil der Natur zu begreifen und der Zerstörung unerschrocken ins Auge zu blicken.

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