Anwälte des Autors. Zur Geschichte der Herausgeberschaft im 18. und 19. Jahrhundert

Erika Thomalla

Nicht-luxemburgisch

Erika Thomallas Studie Anwälte des Autors. Zur Geschichte der Herausgeberschaft im 18. und 19. Jahrhundert untersucht die Entwicklung der Herausgeberschaft vom frühen 18. bis zum späten 19. Jahrhundert. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die These, dass Texte nicht allein durch ihre Autoren zu Werken und Klassikern werden, sondern durch editorische Praktiken wesentlich geprägt sind.

Im Zentrum steht bei Erika Thomalla weniger eine theoretische Systematik als eine detaillierte historische Darstellung konkreter Editionspraktiken. Den Anfang machen dabei die von Johann Christoph Gottsched herausgegebenen Auserlesenen Gedichte von Benjamin Neukirch (1744), den Abschluss bildet die Weimarer Ausgabe der Werke Goethes (1887–1919). Die Autorin untersucht insbesondere Konflikte, unterschiedliche ästhetische und politische Programme sowie die sozialen, ökonomischen und wissenschaftlichen Bedingungen des Edierens. Dabei zeigt sie, wie sich im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts die Vorstellungen von Autorschaft, Werk, Originalität und geistigem Eigentum veränderten. Zugleich widerspricht sie einer strikten Trennung zwischen Editionsprojekten vor und nach 1800 und betont stattdessen die bestehenden Kontinuitäten.

Besonders deutlich wird die Bedeutung der Herausgeber bei der Entstehung literarischer Kanons: Durch Auswahl, Bearbeitung und Präsentation wurden Texte überhaupt erst als Klassiker etabliert. Im 19. Jahrhundert trug die editorische Praxis zudem wesentlich zur Herausbildung der Philologie als wissenschaftlicher Disziplin bei. Thomallas Studie macht damit sichtbar, dass Literaturgeschichte nicht allein von Autorinnen und Autoren geschrieben wird, sondern auch und gerade durch diejenigen entsteht, die Texte auswählen, bearbeiten und in bestimmten Kontexten für bestimmte Gruppen zugänglich machen. Herausgeberinnen und Herausgeber bestimmen dementsprechend entscheidend mit, welche Werke nachhaltig Bedeutung erlangen und in welcher Form wir sie heute lesen.

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